Ein "Denk mal"  - Freitag der 23. Februar 1945
Der Tag der Bombadierung Kitzingens

"Es war ein wunderschöner Tag, der Freitag der 23. Februar 1945. Allerdings auch ein Tag, den wir in unserem Leben nie mehr vergessen würden.
Wir waren Kinder im Alter von neun Jahren. An diesem sonnigen und warmen Tag fuhren wir Rollschuh in der "Bahnhofstraße", der heutigen "Friedrich-Ebert-Straße".

Unser schöner Tag wurde vom Voralarm jäh unterbrochen. Für uns Kinder bedeutete dies, so schnell wir möglich heim, die immer bereit liegenden Rucksäckchen und Gasmasken holen und dann ab in den Keller. Diesmal war es der Meuschels Keller! Der hauseigene Keller und der der Kreisleitung wurden ebenso genutzt. Zum Meuschels Keller mussten wir über dieStraße, das Gässchen runter zum Haus Innere Sulzfelder Str. 6 – das dann nicht mehr aufgebaut wurde. Dort durch die Keller in die Waschküche und durch eine Bunkertür in den Weinkeller.

Wir waren nicht lange unten, als die erste Welle uns schon erwischte . Wir mussten einen Stock tiefer in den zweiten Weinkeller. Ich kann mich nicht genau erinnern, wie wir alle weinten, manche schrien auch, auch die Mütter. Die meisten Väter waren ja im Krieg.

Man weiß heute nicht mehr genau wie viel unten waren, so zwischen 90 und 100 auf jeden Fall. Die Angst war groß, denn die Luft wurde dünn und staubig. Wir trugen alle Gasmasken. Es gab keinen Kontakt zu Außen. Wegen der schlechten Luft wurde ein Weinfaß an gesteckt, um Tücher zu befeuchten.

So gegen 14.00 Uhr hat man oben erfahren, dass wir noch im Keller sind. Der Eingang war total verschüttet. Ein Notsausstieg wurde frei geschaufelt. Als wir ans Tageslicht kamen, war der Schreck gewaltig. Wir standen vor Nichts. Unsere Häuser brannten, es war einfach alles kaputt!".

Diese Erlebnisbericht verfasste Frau Margarete Staudt zur. 50. Wiederkehr der Bombardierung im Jahre 1995. Zu diesem Gedenktag traf man sich zum Austausch der Erinnerungen. Damals waren gut 25 Kitzinger anwesend, die hier die Bombardierung überlebten.

Auch heute noch sind wir überrascht, wenn ehemalige Kitzinger zu uns kommen und erzählen in unserem Keller überlebt zu haben.

Die Familien Meuschel verloren die Villa in der Friedrich-Ebert-Straße. Hier sollte nach zehn Jahren, im Rahmen des Sozialen Wohnungsbau, ein Mehrfamilienhaus entstehen.
Das Kellereigebäude wurde nur an der rückwärtigen Seite zu Inneren Sulzfelder Straße beschädigt.

   
         

 


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WILH. MEUSCHEL jr. - Weingut - Weinkellerei